Fotobericht November 2021



Mexiko-Stadt, den 1. November 2021


Liebe Freunde im Herrn,


schon ist das Jahr fast aus! Ich wollte aber vor Jahresende diesen letzten Brief schreiben, um einige Nachrichten von den verschiedenen Projekten mit Ihnen zu teilen, die von KANELA gerade unterstützt werden. Sie wissen schon, dass bei uns die solide katechetische Bildung im Mittelpunkt steht. Ein Katholik, der seinen Glauben nicht kennt, kann die befreiende Freude des Evageliums nicht spüren, so reich oder „selbstverwirklicht“ er auch sein mag. Ein Europäer kann das sehr gut verstehen! Man hat genug zu essen, man hat Krankenversicherung, man hat Strom und Autobahnen. Und trotzdem ist man unzufrieden. Man hat Christus nicht!

Die Priester spielen bei der Übermittlung der frohen, befreienden Botschaft Christi eine primordiale Rolle. Ich habe in meinem letzten Brief ausführlich beschrieben, wie wir versuchen, Priester zu unterstützen, die bei dieser Mission durch schwere Armut verhindert werden. Ich bin froh mitteilen zu können, dass wir seit meinem letzten Brief zwei neue Priester „adoptiert“ haben. Der erste heißt Padre Luis Torrez und ist aus Nicaragua. Er ist frisch geweiht (Weihnachten 2020) und arbeitet in der entferntesten Diözese Nicaraguas. Die Diözese heißt Bluefields und hat diesen englischen Namen deswegen, da die meisten Einwohner Nachfahren der englischen Piraten und der entkommenen (englischen) Sklaven sind. Sie sprechen eine Art Englisch sowie eine Eigensprache, die sich aus afrikanischen Dialekten entwickelt hat: Garifuna. Es gibt fast keine Straßen: Die meisten Siedlungen sind an der Atlantikküste. Padre Luis bewegt sich von Ort zu Ort hauptsächlich im Boot. Nicaragua ist ein sehr armes Land und, wie Sie sich vorstellen können, die abgelegenste Diözese sogar ärmer. Wir unterstützen Padre Luis mit ca. 175,- € im Monat.

Der zweite neue Priester, die wir unterstützen, heißt Padre Misael Varona. Er übt seine Seelsorge in der mexikanischen Missionsdiözese Altamirano. Im Volksmund heißt die Gegend entweder „Golddreieck“ oder „Bermuda-Dreieck“, da sie der Macht der Drogenkartelle völlig unterstellt ist. Die Regierungskräfte wagen es nicht, dort aufzutauchen und es ist ein Land ohne Gesetz. In diesen Umständen und mit einer bitterarmen Bevölkerung muss Padre Misael seine Mission durchsetzen. Wir unterstützen ihn auch mit ca. 175,- € im Monat.

In den letzten Monaten haben wir angefangen, dem Priesterseminar der neuen Diözese von Xochimilco (man spricht es „Ssotschimilko“ aus, mit Betonung auf der vorletzten Silbe) zu helfen. Sie existiert erst seit zwei Jahren, ist aus einem Teil der alten und viel zu großen Erzdiözese von Mexiko-Stadt entstanden. Da hat der neue Bischof Andrés ein solides Priesterseminar aufgemacht, mit gutem Zuwachs. Allerdings haben sie nicht einmal das Geld, um die Lehrer zu zahlen. Das war für uns eine einfache Entscheidung! Wir haben jetzt angefangen, einen Teil von einem Lehrergehalt zu übernehmen, verfolgen aber die Entwicklung des Seminars und hoffen, im Lauf der Zeit mehr über sie berichten zu können, und mehr zu unterstützen.

Auch im unvorstellbaren Fall, dass alle Priester in Lateinamerika und Afrika genug Geld hätten und völlig begeistert für die Missionsarbeit wären, auch dann würden sie wegen ihrer geringen Anzahl nicht reichen, um das Wort Gottes an die Menschen zu bringen. „Die Ernte ist groß, aber es gibt nur wenig Arbeiter. Bittet also den Herrn der Ernte, Arbeiter für seine Ernte auszusenden“ (Matt 9, 37b-38). Deswegen unterstützen wir seit unserer Gründung die Vollzeitkatecheten. Das sind Männer und Frauen, die eine ausführliche pastorale Ausbildung bekommen und ihren Beruf aufgeben, um sich zusammen mit ihrem jeweiligen Pfarrer vollzeitlich der Mission zu widmen. Diese Vollzeitkatecheten führen die Jugendgruppen, sie bereiten Verlobte auf die Ehe vor, bringen die Hl. Kommunion an die Kranken oder an die, die weit weg vom Hauptsitz der Pfarrei wohnen. Sie besuchen die Katholiken und teilen das Wort Gottes, erklären den Glauben, oft nach dem Angriff von aggressiven Sekten.

Ich bin also äußerst froh, um mitteilen zu können, dass wir jetzt endlich nach drei Jahren Anstrengung genug Geld haben, um einen dritten Vollzeitkatecheten in Guatemala zu übernehmen. Danke an alle, die das ermöglicht haben!

Eine verwandte Arbeit leistet die Glaubensschule. Die Priester und Vollzeitkatecheten sind wirksam, weil sie Gott lieben; aber auch, weil sie in der Pastoral und der Theologie gut ausgebildet sind. Contemplata aliis tradere, „das Betrachtete anderen übermitteln“, schrieb der Hl. Thomas von Aquin. Das funktioniert aber auch für alle Katholiken: je mehr wir von unserem Glauben wissen, desto mehr lieben wir ihn und desto mehr sind wir in der Lage, ihn mit anderen zu teilen. Es scheint mir, dass viele Kirchenprobleme in Europa gar nicht existieren würden, wenn mehr Katholiken mehr über ihren eigenen Glauben wüssten. Und das ist eben der Sinn, der Daseinsgrund, der Glaubensschule: die ewige, klare Lehre der Kirche für alle zugänglich zu machen.

Die Glaubensschule ist jetzt in vielen Diözesen in Lateinamerika und Afrika aktiv. In der Diözese Mongu in Westsambia (Afrika) kümmert sie sich um die Ausbildung von Religionslehrern und, an einigen Stellen, um das Religionsunterricht. Das ist eine Diözese in Wachstum. Im Fotobericht sehen Sie einige Bilder der Einweihung einer neuen Pfarrei, wo die Schule tätig ist.

Was die Farm in Nordwestmexiko angeht, haben wir viel Hoffnung. Letztes Jahr haben wir eine prächtige Ernte gehabt, die aber leider Gottes auf den Feldern verfaulen musste, da die Grenze zu den USA wegen der Pandemie geschlossen war. Die Bauern, die wir dort unterstützen, waren richtig bestürzt. Wir haben sie aber aufgemuntert und zu einem zweiten Versuch überzeugt. Im September wurden Tomaten, Chilischoten, Kürbisse und Wassermelone gesät und sie wachsen glücklich. Heute las ich in der Zeitung, dass die Landgrenzen wieder ab dem 11. November offen sind (nach 19 Monaten!). Bitte beten Sie für dieses Anliegen. Durch das Agrarprojekt helfen wir Menschen, die wegen der Drogengewalt wirklich alles verloren haben. Es ist ein Teufelskreis, der äußerst schwer zu brechen ist.

Was mich selber betrifft, geht es gut. Ich habe das Buch, dass ich im Frühjahr auf Englisch veröffentlicht habe, endlich auch auf Spanisch veröffentlichen können (leider steht keine deutsche Ausgabe in den Plänen!). Die Regensaison ist endlich fast vorbei und wir haben viele Bitten um Hilfe von Pfarreien, die in den letzten Monaten furchtbare Wasserschäden gelitten haben und jetzt endlich (wegen der Trockenheit) mit der Sanierung anfangen können. Ich habe auch letzte Woche hier in Mexiko die Weihnachtskampagne entworfen, mit der wir Weihnachtsessen und -geschenke für unsere armen Nachbarn hier in Mexiko-Stadt besorgen.

Ich will diesen Brief nicht beenden, ohne was über die bevorstehende Advents- und Weihnachtszeit zu schreiben. In diesem und vor allem in meinem letzten Brief habe ich versucht auszudrücken, dass ohne Jesus Christus und seine Heilsbotschaft, das Leben des Menschen, auch wenn bequem und problemlos, seinen Geschmack und seine Freude verliert. Das Geld allein, der Erfolg allein, machen nicht wirklich glücklich! Sie können zwar ablenken, sie dürfen auch genossen werden. Aber allein werden sie den Menschen nie sättigen können. Nur wer Jesus Christus entdeckt und ihm Platz macht, findet Ruhe, findet den Frieden.

Die Adventszeit ist eine besondere Zeit, um sich in diese Realität zu begeben, sie zu betrachten und sich ihr zu nähern, indem man Sachen wegmacht, die einen von Christus trennen und indem man Sachen vermehrt (Großzügigkeit, Verzeihung, Selbstbeherrschung usw.), die einen an Ihn näherbringen. Und die Weihnachtszeit ist dazu da, diese Nähe zu feiern.

Deswegen möchte ich Sie einladen, einige Minuten zu nehmen um zu überlegen, wie Sie dieses Jahr die Adventszeit gestalten wollen. Hier in Mexiko hängt schon der Weihnachtsschmuck überall und wir gehen das Risiko ein, das Christkind gar nicht zu vernehmen. Ich nehme mir vor, für Sie und Ihren Adventsweg zu beten! Danke für Ihr Gebet.


Ihr




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